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KURZES GEDÄCHTNIS

Regie: Dusan TRANCIK & JörgA.EGGERS
Kamera: Alojz HANÚSEK
Drehbuch: Jörg A.EGGERS
Jahr: 1998
Dokumentarfilm (44 min.)

Das Land erzählt in Bildern

Überall taute es. Die Wasser tropften ab, sammelten sich, waren ein Rinnsal und schließlich ein Bach, der das Mühlrad in steter Bewegung hielt - "Bilder, die sich in der Geschichte wiederholen", wollten die Dokumentaristen einfangen, Bilder aus einer historischen Landschaft südöstlich der Hohen Tatra, der so genannten Zips. Oder auch Spis oder Szepes, je nachdem unter wessen Herrschaft diese Gegend gerade stand.
Hier predigten Kyrill und Method, siedelten ungarische Könige Sachsen an, die es im Mittelalter bis zu einer gewissen Autonomie gebracht hatten. Im Zeichen der Gegenreformation wurde dann wieder vertrieben, zurückgewandert und abermals remigriert: Slowaken, Magyaren, Deutsche, Ruthenen, Roma und Juden. Magyarisierung im 13. Jahrhundert, Anschluss an die Tschechoslowakei nach dem ersten Weltkrieg, Faschismus, Vertreibung, vier lange kommunistische Winter. Wie erzählt man eine so verworrene Geschichte in 45 Minuten?
Unter sparsamem Einsatz eines Off-Kommentars, der vornehmlich für die Historie zuständig ist, ließen die Dokumentaristen Angehörige zweier Gruppen, die an den letzten Migrationsbewegungen maßgeblich beteiligt waren, zu Wort kommen: Sie erzählten, wie es ist, Generationen lang die eigene Sprache nicht mehr sprechen zu dürfen, was es bedeutet, in ständiger Angst vor der Mehrheit zu leben.
Als Bevölkerungsminorität unter Minderheiten, in einem Grenzland, das unter die Räder der Geschichte gekommen ist: eine vergessene Landschaft, die von den Dokumentaristen Jörg A. Eggers und Dusan Trancik in Bildern von irritierender Schönheit porträtiert worden ist.
(Kurzes Gedächtnis)
Erich Möchel »Der Standard«

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