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MUTTER, MUT MU UND RAUS BIST DU !

Regie: Jörg A.EGGERS
Kamera: Karl KASES
Drehbuch: JÖRG A.EGGERS
Crew: Schnitt: Sigrid GEIGER-HAAS
Jahr: 1979
Dokumentarfilm (45 min.)

Der nächste Beitrag zum Problemkreis Objektbeziehung, Erziehung, Wecken der Kreativität, Vorbild, Selbsterziehung ...letztlich Lebensbewältigung beschäftigt sich mit der Rolle, die heute Mutter und auch Vater aufgrund der Entwicklungen dieses Jahrhunderts bei der Kindererziehung und somit gesellschaftspolitisch zukommt.

Der Regisseur Jörg A.EGGERS zeigt die Auswirkungen auf, die das Heranwachsen einer ( seiner ) Generation ohne den Vater bis in unsere Zeit hat. Der Problemkreis, zu dem es so gut wie keine Primär- geschweige denn Sekundärliteratur gibt, beginnt für den Regisseur dort, wo Anfang der 40er Jahre, innerhalb kürzester Zeit die Mutter auch die Vaterrolle übernehmen musste und, wenn der Vater nach dem Krieg nicht wiederkam, sie neben der Mutter-Rolle auch die des Familienerhalters übernehmen musste, das Vaterbild nach 1945 war für eine ganze Generation schulpflichtiger Kinder verfremdet - als Kriegsverbrecher, und entfremdet, weil abstinent. Für die Kinder der 50er Jahre verschoben sich lediglich die Akzente. Die Frau, die gelernt hatte, dass es auch ohne den Vater ihrer Kinder geht war nicht wirklich dagegen, dass der Mann seine Freizeit zum Überstundenmachen zwecks Steigerung des Lebensstandards, außer Haus verbrachte. Auch für diese Generation war in den meisten Familien der Vater - das männliche Leitbild vom weiblichen Leitbild dominiert, abgeschwächt.

In den 60er Jahren waren auch die Mütter zunehmend in den Arbeitsprozess eingespannt, weil sich jeder, ungeachtet seiner Qualifikation den am Markt angebotenen Komfort leisten wollte. Der Lebensstandard gegenüber den 50er Jahren stieg. Die Lebensqualität der Kinder sank.
Für die Kinder ergab das ein Bild der doppelt belasteten Mutter und eines noch immer nicht unbedingt erzieherisch vorbildlichen oder verfügbaren Vaters. Im Gegenteil, Informationen zur Lebensbewältigung, die über das schulische Wissen hinausgingen, bis dato immer noch der Vater befragt wurde, lieferte ab jetzt das Fernsehen frei Haus. Ein Kind dieser Zeit meint heute, dass man "Angst gehabt hätte, die Mutter zu belästigen der Vater war ja ohnehin nie da"....

Heute stehen wir bei einer täglichen Zuwendung der Mutter gegenüber ihrem Kind von durchschnittlich 6 - 10 Minuten täglich und es wirft sich für die Mütter der 80er Jahre die Frage auf, ob sie hier noch eine Erfüllung im Muttersein finden. Wir wissen, dass die Gesellschaft vor allem aber die so genannte öffentliche Meinung Kinderkriegen, Erziehungsarbeit am Kind und eben Mutter-Sein nicht gerade hoch einschätzt. Das Kernproblem der Mutterrolle für die Frau erstreckt sich über diesen Rahmen hinaus, nämlich auch auf die Perspektive des Kindes. Für das Kind ist die Mutter das erste und wichtigste Bezugsobjekt. Es muss sie mit dem Vater schätzen, lieben und kennen lernen, um später Eigenschaften wie Liebesfähigkeit, Bindungsfähigkeit, richtige Realitätseinschätzung zu erwerben, um nicht in Selbstisolation zu vereinsamen.
Schließlich sind die Kinder der 80er Jahre die Eltern der Jahre nach 2000 oder keine Eltern. Und das ist unser aller Zukunft.

Zweifellos hat Eggers mit diesem Beitrag Emotionen geweckt, Widersprüche provoziert; vielleicht ist es ihm gelungen, die Diskussion um das "Image" der Mutter auf breiter Basis anzuheizen. Solche Nadelstiche ins "Herz" der Gesellschaft können wir öfter brauchen...
Präsent


... kontroversiell, engagiert, aufklärend, ...
Eggers verfolgt die Wandlung des Mutterbildes in den vergangenen 40 Jahren und setzt dann bei jenen Zeiterscheinungen ein, die die Bedeutung der Mutter und eines intakten Familienlebens wieder stärker in ein neues Licht rücken.

Neue Kronen Zeitung

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