Deutsch | EnglishImpressum

« Zurück zur Übersicht


ES BEDARF KEINER PSYCHOANALYSE, UM FESTZUSTELLEN, DASS DAS LEBEN EIN EINZIGER FRIEDHOF GESCHEITERTER PLÄNE IST

Regie: Jörg A.EGGERS
Kamera: Franz KONRAD
Drehbuch: Jörg A.EGGERS
Crew: Schnitt: Inge WISTAWEL
Jahr: 1976
Dokumentarfilm (61 min.)

Diese resignierte Feststellung, die man so gern in Wehmut und Selbstbemitleidung hinnimmt, muss nicht unbedingt auch weiterhin akzeptiert werden. Der Film zeigt die Ursachen des vielfältigen alltäglichen Scheiterns unserer Pläne auf. Die Ursachen liegen teilweise in den gestörten Objektbeziehungen, die unsere oft falschen Wünsche, Vorstellungen und Erwartungen vom Leben und an die anderen Menschen und eine damit verfälschte Einstellung zum Leben bedingt, deren Ergebnis oft ein Scheitern in unserer Ehe, unserem Beruf, ja einfach unseren Beziehungen an sich verursacht. Der Regisseur und Drehbuchautor Jörg A. EGGERS kann, wie niemand, der ehrlich ist, natürlich keine allgemeingültigen, oder gar einfachen Lösungen anbieten, um das Scheitern von Plänen zu verhindern. Er zeigt aber, dass die Ursachen des Scheiterns mit Hilfe der Psychoanalyse zu erklären sind und damit die Wurzeln, die oft in uns selbst und/oder in unserer Erziehung liegen, zu finden sind. Das menschliche Scheitern ist somit kein in jeder Hinsicht hinzunehmender Lebensfaktor. Das heißt, man muss sich nicht wehmütig mit dem Scheitern und Versagen menschlicher Pläne abfinden, wenn man deren Ursachen kennt; Ursachen wie frühzeitig gestörte oder nie erlernte Beziehung zu unserer Umwelt, Mangel an kreativer Anpassungsfähigkeit an Umstände und Gegebenheiten und so weiter. Zusammenfassend könnte man also sagen, dass wir alle das Scheitern als solches schon früh gelernt haben und es daher in unserer Erwartung einen festen Platz hat. Das heißt aber auch, dass man das Scheitern, das Versagen an sich - wenn auch mühevoll - wieder verlernen kann, wobei Kreativität, die Fähigkeit zu eigenschöpferischem Denken und Handeln erlernt und erarbeitet werden müssen, auch wenn man damit von herkömmlichen Schemata abkommen muss....

In unserer Zeit, die den Menschen mehr denn je auf sich selber stellt, musste dem Einzelnen aus dieser Tatsache auch die Chance gegeben werden, seine Beziehungen selbst und daher für ihn - in wertfreier Hinsicht - auch befriedigend zu gestalten.

Der Mord, den ein sechzehnjähriger Junge am Ende des Filmes wegen einer Wette begeht, zeigt nicht nur, dass es wie man gerne leichtfertig sagt "mit der Menschheit offensichtlich schon so weit gekommen ist", dass der Wert eines zehnjährigen Kindes nur der eines Wettobjektes ist.
Er zeigt nicht nur, dass wir heute den Menschen oft nur an seinem Geld, seinem Marktwert, seinem Aussehen, seinem Nutzen, seinem scheinbaren Tun messen, sondern er zeigt das am deutlichsten was der ganze Film zeigen will, nämlich dass wir so mit den Menschen, den Dingen und uns selbst umgehen wie wir es gelernt haben... Wobei wir wieder beim Scheitern unserer Pläne wären... ! Das "Scheitern" aber lässt sich nicht nur in gewisser Hinsicht verlernen wir alle werden es irgendwann in nicht allerfernster Zukunft verlernen müssen, um eben zusammenleben zu können. Nur wer eine Objektbeziehung aufbauen kann, vermag es, den eigenen Wert zu erkennen, und seine Identität positiv zu bestimmen. Wird diese Beziehung gestört, werden die Menschen und Dinge um uns nur nach ihrem Gebrauchswert bestimmt, dann haben wir letzten Endes den "Wegwerfmenschen": Gestörte mitmenschliche Beziehungen, gescheiterte Ehen, Sadismus, Jugendkriminalität, Mord. Ein Allheilmittel gibt es nicht, aber der Regisseur fordert uns auf, der Kreativität in unserem Leben, breiteren Raum zu geben. Die Erweckung, Förderung und Unterstützung der Kreativität muss jedoch frühzeitig in der Erziehung berücksichtigt werden...

... zwar anspruchsvoll, aber ein wichtiges Thema ... Neue Kronen Zeitung


Ein seriöser Versuch, die tieferen Ursachen der sogenannten Zivilisationskrise in der Gefühlskälte und Liebesunfähigkeit zu suchen.
Arbeiter Zeitung

Ein wichtiges, aber uns bisher noch nicht deutlich genug ins Bewusstsein gerücktes Problem... Der Beweis, dass filmische Dokumentationen durchaus nicht "trocken", und schon gar nicht gefühlsabgewandt sein müssen...
Wahrheit


« Zurück zur Übersicht