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GOTT SCHÜTZE UNS VOR OTTO WAGNER

Regie: Jörg A.EGGERS
Kamera: Franz ZECHA
Drehbuch: Jörg A.EGGERS
Crew: Schnitt: Hannelore GÖTZINGER
Jahr: 1975
Dokumentarfilm (60 min.)

Diesem historischen Ausspruch und Titel dieses Dokumentarfilms lässt sich am besten mit einem hier zitierten Ausspruch Otto Wagners selbst begegnen:
Unsere Kunstpflege liegt in Händen von Persönlichkeiten oder wird von solchen beeinflusst, welche sich in mehrere Kategorien einteilen lassen:
1. Solche, die eingestandenerweise von Kunst nichts verstehen, es sind die weniger gefährlichen.
2. Solche, die von Kunst etwas zu verstehen glauben machen wollen, wobei ihnen das wirkliche Kunstverständnis fehlt: es sind die sogenannten Kunstheuchler.
3. Solche, die die Zustimmung der Menge als notwendig betrachten.
4. Solche, die glauben, daß von der Allgemeinheit, daß von der Kritik immer ein wichtiges Urteil zu erwarten sei und deshalb ihre Meinung danach formen ....
Otto Wagner resümiert dann weiter unten: Der Maßstab für die Qualität eines Künstlers bleibt die Qualität seiner Werke . . . "
Die Aussage des 1918 verstorbenen Architekten scheint in gewisser Weise zeitlos zu sein.
Und trotzdem, das Beispiel des Dokumentarfilms wirft einen Hoffnungsschimmer auf die österreichische und vor allem Wiener Situation des Kultur- und Denkmalschutzes und zeigt, dass man mit Initiative zur rechten Zeit am rechten Ort doch etwas erreichen kann.

Denn alle drei Objekte, das Schützenhaus, die Postsparkasse und die Stadtbahnpavillons Karlsplatz sind heute in vorbildlicher Weise renoviert und revitalisiert. Aber es musste halt erst einmal mit einer Dokumentation an die Öffentlichkeit gegangen werden und zwar mit eben jener die sie gerade sehen...
Als man 1975 diesen Film drehte waren die Teile der Karlsplatzpavillons unter einem Stadtbahnbogen versteckt und dem Rost und Verfall ausgeliefert. Erst mühsame Kleinarbeit brachte ans Licht, wo man denn die Teile versteckt hatte...,
Das Schützenhaus war total desolat und dem Vandalismus preisgegeben. Eine Dreh-Erlaubnis gab es erst, nachdem innerhalb einer Woche das Objekt von der Gemeinde an den Bund verkauft und vom Ministerium übers Wochenende ein Architekt mit der Revitalisierung beauftragt worden war, der das vor der Kamera gegebene Wahlversprechen der Ministerin einzulösen hatte.
Auch im Hauptkassensaal der Postsparkasse konnte die gegen das Baukonzept Otto Wagners gerichtete Umgestaltung im letzten Moment noch aufgehalten und den Bauherren zumindest die Erhaltung und Restaurierung der Stirnfront des Kassensaales abgerungen werden.
Die Kirche am Steinhof war bereits 1975 penibel in ihren ursprünglichen Zustand versetzt worden und zeigt, dass es ja geht, (wenn man will) unseren Otto Wagner zu schützen.....

Die außerordentliche und engagierte Dokumentation von Jörg A. Eggers zeigte die Erzsünden von damals, die von jetzt, und belegte, dass für die Zukunft viel Deprimierenderes zu erwarten ist. Neue Kronen Zeitung

Frontaler Angriff. ...nicht nur mit journalistischem Instinkt und konsumentenfreundlich zubereitet, sondern auch mutig...
KURIER


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